Die Übung verbindet Gedanken der Stoiker, vor allem Epiktets und Senecas, mit Viktor Frankls Blick auf die Freiheit der eigenen Haltung.
Resilienz stärken mit einer Abendübung
Setz dich abends für zehn Minuten mit Papier und Stift hin.
Wähle einen festen Zeitpunkt, etwa nachdem du deine Zähne geputzt hast. Nimm einen Rückschlag, der dich gerade beschäftigt, und bleib bei diesem einen Ereignis. Ein Streit mit deinem Partner oder eine Absage auf eine Bewerbung reicht völlig aus.
Schreib zuerst die Tatsachen auf, die auch eine Kamera festhalten könnte.
Halte dich an beobachtbare Sätze: Die Nachricht kam um 14 Uhr. Mein Vorschlag wurde abgelehnt. Lass Bewertungen für diesen ersten Teil weg, damit du sie später klarer erkennen kannst.
Schreib darunter deine Deutung des Ereignisses.
Hier darf stehen, was dein Kopf daraus macht: Ich werde nie ernst genommen. Das war ein Beweis, dass ich versagt habe. Markiere diese Sätze mit einem Kreis. So siehst du auf einen Blick, welche Sätze von dir stammen und welche vom Ereignis selbst.
Nenn eine Handlung, die bis morgen in deiner Hand liegt.
Wähle etwas Kleines und überprüfbares. Das kann eine Rückfrage per Mail sein oder zwanzig Minuten an der Aufgabe, die liegen geblieben ist. Epiktet lenkt den Blick auf den Anteil, den du selbst führen kannst, und genau dort setzt du an.
Üb einmal pro Woche eine kleine freiwillige Unbequemlichkeit.
Such dir für 15 Minuten etwas Harmloses aus, das du gewöhnlich vermeidest. Geh bei leichtem Regen eine Runde oder erledige endlich den Anruf, den du seit Tagen aufschiebst. Seneca empfahl, Entbehrung in kleinen Dosen kennenzulernen, damit sie ihren Schrecken verliert.
Leg heute eine Person fest, die du in schwierigen Stunden anrufen kannst.
Schreib ihren Namen in dein Handy oder auf die erste Seite deines Notizbuchs. Sag dieser Person bei Gelegenheit, dass du dich manchmal kurz melden möchtest, wenn dich etwas trifft. Ein schlichtes Gespräch von zehn Minuten kann dich wieder in Kontakt mit dem Alltag bringen.
Schreib einmal pro Woche auf, wie du eine frühere Krise überstanden hast.
Notiere, was damals passiert ist und was dir geholfen hat. Bleib genau: Vielleicht hast du nach einer Trennung irgendwann wieder Freunde getroffen und dich aufs Kochen gefreut. Dieser Rückblick erinnert dich an Erfahrungen, die du bereits durchgestanden hast.