Die Übung verbindet Senecas Beobachtung aus seinen Briefen über vorgestelltes Leiden mit Epikurs Gedanken zur Zukunft aus dem Brief an Menoikeus.
Mit Zukunftsangst umgehen: die Übung Schritt für Schritt
Nimm dir 15 Minuten und lege Papier und Stift bereit.
Wähle einen ruhigen, begrenzten Zeitpunkt, etwa nach dem Frühstück oder bevor du den Arbeitstag beendest. Stell einen Timer, damit die Übung einen Rahmen hat. Du musst deine ganze Lage in dieser Zeit nicht lösen, du hältst nur an, um genauer hinzusehen.
Schreibe jede Zukunftsbefürchtung als einzelnen Satz auf.
Statt einem großen Gefühl wie „Alles wird schwierig“ schreibst du auf, was darin steckt. Zum Beispiel: „Ich weiß nicht, ob mein Vertrag verlängert wird“ oder „Ich fürchte steigende Ausgaben im Winter“. Lass die Sätze nüchtern stehen, auch wenn manche unfertig oder widersprüchlich wirken.
Markiere bei jedem Satz, was Tatsache, Vorstellung oder offene Frage ist.
Eine Tatsache ist etwas, das jetzt belegbar ist, etwa eine Rechnung oder ein Vertragsdatum. Eine Vorstellung ist ein Bild davon, wie es schlimm ausgehen könnte. Eine offene Frage braucht Informationen, die du noch nicht hast. Senecas Hinweis hilft hier als Prüfstein: Viel Schmerz entsteht, wenn ein mögliches Bild schon wie Gegenwart behandelt wird.
Formuliere aus jeder offenen Frage eine kleinere, prüfbare Frage.
Aus „Was wird aus meiner Arbeit?“ kann werden: „Wann erfahre ich etwas über die Planung für das nächste Quartal?“ Aus einer Sorge ums Geld kann werden: „Welche festen Ausgaben habe ich in den nächsten vier Wochen?“ Eine gute Frage lässt sich nachschlagen, besprechen oder mit einer kleinen Rechnung klären.
Wähle eine Frage, für die du diese Woche etwas tun kannst.
Nimm die Frage, deren Klärung gerade am meisten Orientierung gibt. Schreib eine konkrete Handlung daneben, zum Beispiel einen Termin vereinbaren, Unterlagen sammeln oder zehn Minuten lang Ausgaben notieren. Gib ihr einen Tag und eine Uhrzeit. Epikurs Gedanke zur Zukunft lädt dazu ein, Verantwortung für deinen Anteil zu übernehmen, ohne so zu tun, als läge alles in deiner Hand.
Lege für die übrigen Fragen einen festen Rückkehrtermin fest.
Schreib unter die Liste: „Ich sehe mir das am Sonntag um 17 Uhr wieder an.“ Damit erklärst du die Fragen nicht für unwichtig. Du entscheidest lediglich, dass sie bis zu diesem Zeitpunkt keinen dauernden Platz in deinem Kopf beanspruchen müssen. Wenn sie vorher wieder auftauchen, verweise sie auf den Termin auf dem Papier.
Schließe mit einer Handlung in der Gegenwart ab.
Mach direkt danach etwas Einfaches und Körperliches: eine Tasse spülen, kurz um den Block gehen oder eine Mahlzeit zubereiten. Diese Handlung ist keine Ablenkung von deinem Leben. Sie erinnert dich daran, dass der heutige Abschnitt des Lebens weitergeht, während manche Fragen noch keine Antwort haben.